Predigt am 22. Februar 2015 - Predigtreihe "Abendmahl"

Von: Pastorin Maren Trautmann | 22.02.2015

Pastorin Maren Trautmann

Download (PDF)

 

Liebe Gemeinde,

zwei Jünger Jesu, drei Tage nach seinem Tod unterwegs. Weg, bloß weg aus Jerusalem, dem Ort des Schreckens und der Hinrichtung. Ein Fremder gesellt sich zu ihnen, geht mit, hört von ihrer Trauer und Ratlosigkeit. Es ist der Auferstandene. Aber sie erkennen ihn nicht. Am Abend kehren sie ein und bedrängen ihn zu bleiben und mit ihnen zu essen. „Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach´s und gab es ihnen.“ Und in diesem Moment wurden den Jüngern die Augen geöffnet und sie erkannten ihn.

„Das tut zu meinem Gedächtnis“ – so hat es Jesus in der Überlieferung des Lukas gesagt und die Emmausjünger sind die ersten, die diese Erfahrung machen: Jesus ist da.

Der Bericht von den Emmausjüngern ist eine wunderbare Oster- aber eben auch Abendmahlsgeschichte. Sie umspannt zentrale Dimensionen dieser Feier: Aus Trauer wird Freude, aus Alleinsein erwächst Gemeinschaft, aus Mutlosigkeit entsteht neue Kraft.

Die Jünger brechen auf. Sie laufen zurück nach Jerusalem und erzählen den Anderen von dem, was sie erlebt haben. Sie bleiben beieinander. Lukas schreibt die Geschichte weiter. In seiner Apostelgeschichte heißt es über Pfingsten und die erste Gemeinde: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ (Apg. 2,42). „Das tut zu meinem Gedächtnis“ (Lukas 22,19). Endlich einmal hören die Jünger auf das, was Jesus ihnen sagt (das ist ja nicht immer so) und bis heute und auch nach uns wird das so sein. Abendmahl verbindet. Es verbindet uns in Christus mit Gott und es verbindet uns miteinander. Es verbindet uns mit mit denen, die vor uns da waren und mit denen, die nach uns kommen werden und es auch feiern werden. Mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen, in Gott sind alle verbunden: Die Verstorbenen und die Lebenden. Oder, um es mit den Worten Jesu aus dem Lukas-Ev zu sagen: Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Denn ihm leben sie alle.“ (Lukas 20,38) Dies wird für mich besonders sinnfällig, wenn wir am Toten- und Ewigkeitssonntag im Gedenken der Verstorbenen eine Kerze für sie anzünden und die brennenden Kerzen dann in unserer Mitte stehen, wir uns um sie versammeln und miteinander das Abendmahl feiern.

Seit längerer Zeit feiern wir das Abendmahl hier in der Weise, dass wir einander die Gaben weiterreichen mit den Worten „Brot des Lebens für dich“ und „Kelch des Heils für dich“. Nicht wenige tun sich schwer damit. Zum Einen, weil sie ihr Leben lang geprägt sind von den Worten „Christi Leib für dich gegeben“, „Christi Blut für dich vergossen“ und weil diese Worte einfach „sitzen“. Zum anderen tun sich Menschen schwer, weil sie auch Sorge haben, dass etwas weggenommen wird vom Inhalt der Feier.

An dieser Stelle ist es mir wichtig, einmal zu sagen, dass die traditionelle Spendeformel ja kein biblisches Zitat darstellt. Anders als die Einsetzungsworte, die wir aus der Bibel übernommen haben und aus der sich eine Mischform der Einsetzungsworte aus den Evangelien und des 1. Korintherbriefes entwickelt hat, die innerhalb der Kirche Konsens sind. Die Spendeworte aber sind durchaus der Teil des Abendmahls, bei dem variiert werden kann und darf und mit denen man jeweils einen Aspekt des Abendmahls besonders betont. „Christi Leib für dich gegeben“, „Christi Blut für dich vergossen“ fassen die bereits gesprochenen Einsetzungsworte noch einmal zusammen und betonen stark den Karfreitag und den Aspekt der Hingabe bis hin zum Opfergedanken (und diese Überbetonung macht vielen Menschen die Teilnahme am Abendmahl schwer). „Brot des Lebens“ und „Kelch des Heils“ betonen das Lebensbejahende, das Lebensspendende des Abendmahls Es ist Lebens-Mittel, eine Mittel zum Leben. Und das „für dich“: Es ist ein Geschenk. Du, Mensch, bist mir wichtig! Es ist Jesu Geschenk für die Seinen, es ist Jesu Geschenk für uns. Brot des Lebens und Kelch des Heils eröffnen über das letzte Abendmahl Jesu mit den Seinen den Blick auf das ganze Leben des Nazareners: Die Speisung der 5000 – alle sollen satt werden, das Festessen beim Zöllner Zachäus: Umkehr und Gemeinschaft werden möglich. An den Tisch Jesu sind alle eingeladen, die Gott nahe sein wollen gemeinsam mit allen anderen. Es herrscht Gleichberechtigung am Tisch des Herrn. Einen kurzen Moment leuchtet etwas auf von dem, was uns sonst im Leben nicht oder nur selten gelingt: Ganz unterschiedliche Menschen stehen nebeneinander und reichen einander das Brot, teilen, das, was da ist. So soll es sein. Ein Stück vom Himmel. Ein Stück vom Reich Gottes mitten unter uns und eine Verheißung darauf, dass es in Gottes Reich so zugeht, dass alle genug haben und keiner hungern und dürsten muss – weder nach Gerechtigkeit, noch nach Nahrung, noch nach Liebe. Schmecket und sehet, wie freundlich Gott ist! Oder wie es Paulus beschreibt im 1. Korintherbrief: „Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist´s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“ (1. Kor. 10,16f) Wir gehören zusammen. Glaube ist zwar etwas ganz persönliches und individuelles, Glaube hat aber eben auch die Dimension der Gemeinschaft. Das Brot des Lebens und der Kelch des Heils für die vielen, für dich, für mich. Es ist darum umso tragischer, dass ausgerechnet im Abendmahl Christen verschiedener Konfessionen voneinander getrennt sind.

Und es bleibt eine Störung, dass wir abseits des Abendmahltisches oft so wenig davon spüren, dass alle Christen zu dem einen Leib Christi gehören. Es bleibt ein Skandal, dass wir auf der Nordhalbkugel auf Kosten anderer leben, ausbeuten und Ressourcen verschwenden. Das Abendmahl ist ein sichtbareres Zeichen des angebrochenen Gottesreiches. Es erinnert uns auch daran, dass noch vieles im Argen liegt, dass wir schuldig werden mit unserem Lebensstandard, ob wir wollen oder nicht. Das Abendmahl erinnert uns daran, dass satt werden wichtig ist, nicht nur im geistlichen Sinne, sondern ganzheitlich, auch leiblich. Wenn wir es feiern, dann hoffen wir darauf, dass es uns stärkt und dass wir gestärkt in unser Leben zurückkehren. Und die Verheißung des Abendmahls von der Gemeinschaft mit Gott und untereinander, die soll spürbar werden über den Gottesdienst hinaus. Das Reich Gottes zu vollenden liegt nicht an uns, es aber aufrechtzuerhalten und es weiterzubauen, schon, so wie Jesus es beschreibt: „Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt. 25,35)

Amen.