Predigt am 24. Dezember 2014 - Christnacht

Von: Pastor Frank Engelbrecht | 24.12.2014

Pastor Frank Engelbrecht

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Christnacht 2014 in der Hauptkirche St. Katharinen

Ruf des Profeten Jesaja: Jesaja 9, 1-5a

1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. 3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 5 Denn uns ist ein Kind geboren …

Eine astronomische Atemmeditation, von Arnold Benz

Beim Atmen tauschen wir lebenswichtige Substanzen aus; ohne Atmen könnten wir kaum eine Viertelstunde leben. … Beim tiefen Einatmen füllt sich meine Lunge mit etwa einem Liter Luft. Das Gas dieses Luftvolumens besteht aus 3x1022 frei beweglichen, einzelnen Molekülen. … Nach dem Ausatmen durchmischen sich die Moleküle aus meiner Lunge mit jenen der Außenluft. Messungen nach Atombombenexplosionen und Reaktorunfällen haben eindrücklich und alarmierend demonstriert, wie von einem einzigen Ort der Erde aus einzelne Atome mit der Zeit in den hintersten Winkel jedes Hauses gelangen. Genau gleich werden die die ausgeatmeten Moleküle innerhalb weniger Jahre durch Winde über die ganze Erde verteilt. Die irdische Lufthülle enthält etwa 1044 Moleküle. Vermischen sich die ausgeatmeten Moleküle eines einzigen Atemzuges mit der ganzen Lufthülle, gibt es im Durchschnitt davon zehn Moleküle pro Liter Luft. … Die Reaktionsarmen Stickstoffmoleküle (jedes Atemzuges) bleiben Jahrtausende in der Atmosphäre und nehmen damit an allem teil, was sich darin abspielt. … In jedem Atemzug müssen demnach einige Moleküle dabei sein, die ich im ersten Schrei nach meiner Geburt ausgestoßen habe. Im selben Atemzug atme ich solche ein, die dabei waren, als Diogenes sich vom König wünschte: „Geh mir aus der Sonne!“, oder von jenen, die Jesus aushauchte in seinem letzten Wort: „Es ist vollbracht!“ … Luft enthält die ganze Vergangenheit des Universums. Durch Atmen fühle ich mich sowohl mit der menschlichen wie auch mit der kosmischen Geschichte verbunden.

Weihnachtskollage aus Matthäus 1 und Lukas 2

Matthäus 1,1-17: 1 Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. Jakob zeugte Juda und seine Brüder. 3 Juda zeugte Perez und Serach mit der Tamar. Perez zeugte Hezron. Hezron zeugte Ram. 4 Ram zeugte Amminadab. Amminadab zeugte Nachschon. Nachschon zeugte Salmon. 5 Salmon zeugte Boas mit der Rahab. Boas zeugte Obed mit der Rut. Obed zeugte Isai. 6 Isai zeugte den König David. 6b David zeugte Salomo mit der Frau des Uria. 7 Salomo zeugte Rehabeam. Rehabeam zeugte Abija. Abija zeugte Asa. 8 Asa zeugte Joschafat. Joschafat zeugte Joram. Joram zeugte Usija. 9 Usija zeugte Jotam. Jotam zeugte Ahas. Ahas zeugte Hiskia. 10 Hiskia zeugte Manasse. Manasse zeugte Amon. Amon zeugte Josia. 11 Josia zeugte Jojachin und seine Brüder um die Zeit der babylonischen Gefangenschaft. 12 Nach der babylonischen Gefangenschaft zeugte Jojachin Schealtiël. Schealtiël zeugte Serubbabel. 13 Serubbabel zeugte Abihud. Abihud zeugte Eljakim. Eljakim zeugte Asor. 14 Asor zeugte Zadok. Zadok zeugte Achim. Achim zeugte Eliud. 15 Eliud zeugte Eleasar. Eleasar zeugte Mattan. Mattan zeugte Jakob. 16 Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus. 17 Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder.

Lukas 2,1-7: 1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Matthäus 1,18-25: 18 Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 19 Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. 20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22 Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): 23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. 24 Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25 Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

Lukas 2,8-20: 8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. 15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.  16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Predigt zur Christnacht, Hauptkirche St. Katharinen, Pastor Frank Engelbrecht

Die Gnade des Vaters, die Liebe unseres Herrn und Bruders Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen!

Endlich wieder Weihnachten. Endlich wieder diese Nacht, die den „Frieden auf Erden“ ausruft, in diesem Jahr, in dem wir 100 Jahre 1. Weltkrieg und 75 Jahre zweiter Weltkrieg gedenken und spüren, wie die Gewalt der Historie sich aus den vergilbten Schwarz-Weiß-Bildern der Museen und Dokumentationen löst und uns nahe kommt im Kriegsgedröhn der täglichen Nachrichten, oder in den Geschichten der Flüchtlinge, die bei uns stranden oder sich zu uns durchkämpfen; und wem das nicht reicht, das Fürchten zu lernen, nehme den Unfrieden mit der Natur und die drohende Klimakatastrophe dazu. 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Daneben steht in diesem Jahr, ein wenig blass, die Erinnerung an 25 Jahre Mauerfall, mit ihrer fröhlichen Gewissheit, dass Frieden auf diesem Planeten auch anders geht. Aber vom Überschwang von 1989 ist heute nur wenig übrig geblieben. Anstatt Grenzen weiter zu überwinden und zusammenzurücken in einer Solidarität aller Menschen und mit der Schöpfung, sind wir kräftig dabei, neue Mauern zu bauen: zwischen Israel und Palästina, an den Rändern Europas, zwischen Armen und Reichen in unserem Land und weltweit, und wir lassen eine Klimakonferenz nach der anderen ohne durchgreifende Ergebnisse verstreichen. Mitten hinein in diese verwirrende Gemengelage ruft die Weihnachtsnacht den „Frieden auf Erden“ aus; und das von höchster Stelle. Diese Höchste Stelle ist aber nicht in Washington oder Moskau, nicht in Peking und auch nicht in Rom, noch nicht mal in Jerusalem, aber auch nicht in der ewigen Ferne des Himmels, über den Wolken auf Gottes Thron, sondern in unserer Mitte: in dieser Heiligen Nacht macht Gott sich klein wie ein Kind und fällt uns in die Hände, legt sich uns zu Füßen und erfüllt die ganze Welt: mit Licht und Staunen und mit Kraft, so wie der erste Schrei eines Kindes bei seinem ersten Blick in die Welt zart ist und zerbrechlich und von unbändiger Kraft zugleich.

Gott wird Mensch. Die Richtung ist wichtig: wir machen nicht das Kind zum Gott, sondern Gott macht sich zum Kind. Damit macht er offenbar, dass jeder Mensch ein Kind Gottes ist. Wir teilen mit dem Jesuskind den Atem des ersten Schreis. Wir teilen mit dem Christus den letzten Hauch seines Lebens – nicht nur symbolisch, sondern, wir haben es gehört, sogar physikalisch. Aber nicht nur physikalisch, sondern auch geistlich. Im Licht der heiligen Nacht erkennen wir uns selbst und erkennen wir einander gegenseitig als Kinder Gottes und die Natur als seine Schöpfung und alle miteinander unendlich dicht verwoben.

Rührend zu sehen, wie die beiden Evangelisten, Matthäus und Lukas, darum ringen, sich diesem im wahrsten Sinne des Wortes unfassbaren Wunder und Geheimnis unseres Lebens zu nähern, das die Weihnacht offenbart. Matthäus zählt auf, wie tief eingebunden die Geburt des Jesuskindes ist in die Geschlechterfolge der Menschheit ist. Joseph ist nach dem Zeugnis des Evangelisten ein direkter Abkomme Abrahams und Davids, aus dessen Hause nach Jesaja der Messias, der Retter von Gottes Volk und der Welt hervorgehen soll. Aber dann geschieht das merkwürdige: so gründlich Matthäus die Dynastie von Abraham über Jesse und David bis Jesus begründet, so schnell wirft er das ganze Dynastische Kartenhaus wieder über den Haufen und erklärt: Jesu Geburt hat nichts mit dieser Dynastiefolge zu tun. Denn Joseph, ätsch, ist gar nicht Jesu leiblicher Vater. Vielmehr hat der Heilige Geist die spontane Schwangerschaft Marias in Gang gesetzt.

„Klar, das kennen wir!“, sagen die Philologen und Geschichtswissenschaftler. „Das war damals üblich, dass Götter, Halbgöttern und Kaiser berichtete als Kinder von Jungfrauen zur Welt kamen, um zu zeigen: Ein göttliches Wesen steht über den Dingen und überwindet die Natur und die Geschlechtlichkeit schon vor seiner Geburt im Moment seiner Zeugung.“ Aber so ist es hier nicht. Matthäus ist es in Wahrheit einigermaßen gleichgültig, wie genau die Zeugung des Kindes vonstatten ging. Vielmehr will er das Wunder beschreiben: nicht wie das Kind wird zum Gott wird, sondern wie Gott selbst zum Kind und damit zum Menschen wird, mit all der Schönheit, aber auch mit all dem Blut und Dreck und Gestank, der damit einhergeht. Nicht umsonst ist das Kind in Windeln gewickelt.

Ganz schön kompliziert. So kompliziert, dass Joseph fast hingeschmissen hätte. Als er erfährt, dass seine Frau schwanger ist, aber, aus welchem Grunde auch immer, nicht von ihm, da ist seine Liebe und Achtung und Frömmigkeit zwar groß genug, dass er seine Angetraute nicht öffentlich verstößt; aber das uneheliche Kind mit unbekannter Vaterschaft annehmen, das will er auch nicht. Seine verletzte Eitelkeit könnte er dabei noch überwinden. Das Entscheidende ist aber der Bruch in der Dynastie. Joseph will seine Kraft nicht darauf verwenden, für ein Kind aufzukommen, das aus der Ahnenfolge Abrahams und Davids heraus fällt. Joseph setzt Prioritäten und ist schon dabei, seine sieben Sachen zu packen und sich heimlich davon zu stehlen. Da fährt ihm der Engel Gottes dazwischen und öffnet ihm die Augen für das Wunder des Kindes, das Maria unter dem Herzen trägt. Da verblassen im Lichte des Himmelsboten und seiner Worte die Kräfte von Biologie und Ahnenforschung. Joseph begreift mit Staunen, dass die Liebe der Menschen und erst recht die Liebe Gottes größer ist als alle Abstammungslehre. Wir sind verbunden mit Gottes lebensspendendem Atem und mit seiner ganzen Schöpfung in den Weiten des Alls und auf dieser Erde über die Nabelschnur, die uns nährt, und über die Luft, die wir einatmen vom ersten Schrei  nach der Geburt bis zum letzten Wort, das wir sprechen oder schreien oder hauchen. Er begreift: die Dynastie des Schöpfers und der Menschlichkeit reicht weiter als die Dynastie des David. Da kann er über seinen Schatten springen. Er bleibt bei Maria und dem Kind.

Wer von uns hat die Größe und die Neugier und das Herz und die Poesie und den Humor und den Glauben, dass wir mit Joseph über unsere eigenen Schatten springen? Kommt, probieren wir den Sprung, wann wenn nicht jetzt in dieser heiligen Nacht? Hops! Wir springen mit Joseph und mit einem Male ist alles ganz leicht. Denn uns geht mit Joseph auf, dass das angesichts des Kindes in der Krippe ganz gleichgültig ist, ob wir Kinder des David sind oder Kinder des Augustus oder Kinder von sonst wem, oder ob wir Schwarz sind oder Weiß, Gelb oder Rot, ganz gleichgültig auch, was wir glauben oder denken oder sagen, oder wie viel wir auf dem Konto haben oder nicht oder in welchem Land wir geboren sind und welchen Pass wir bei uns tragen – gleichgültig aber nicht im Sinne von schnurzpiepegal, sondern gleichgültig im Sinne von gleichermaßen gültig, gleichermaßen wertvoll. Das offenbart das frisch geborene Kind der Heiligen Nacht, das ganz und gar menschlich zu uns kommt und darin Gottes Gegenwart offenbart. Ein Kind ist ein Kind ist ein Kind und macht, ganz gleich, wo und wie es zur Welt kommt, mit dieser Nacht zu Bethlehem Gottes Wort neu mitten unter uns und setzt alle in Bewegung: bei uns auf den Geburtstationen ebenso wie in der Weihnachtsgeschichte Maria und Joseph, die Engel, die Hirten. Alle sind sie unterwegs, während das Christkind daliegt: in der Krippe in Windeln gewickelt – und, wie jedes Kind als Provokation. Denn wo Kinder in unser Leben treten, ist nichts wie zuvor. Das ist erfrischend, aber auch anstrengend, weil die Kinder unbedingt davon ausgehen, dass wir sie annehmen, und dass diese Welt für sie gemacht ist, und dass ihre Erwartungen und Träume und Wünsche dafür da sind, in Erfüllung zu gehen: wie am Geburtstag oder noch mehr, wie zu Weihnachten. Mit diesem Anspruch aber zwingen die Kinder uns in die Knie – wie die Hirten, und später auch die Könige vor dem Kind.

Der Anspruch der Kinder dieser Welt ist uns zu hoch. Wir wollen unterscheiden, wie Joseph, zwischen seinen Kindern und den Kindern eines anderen. Das dürfen wir auch; das ist sogar unsere Pflicht, dass wir unsere eigenen Kinder ganz besonders lieben. Zugleich legt uns Gott in dieser Heiligen Nacht diese Herausforderung unter die Christbäume: „Macht aus der Liebe zu Euren Kindern kein Ausschlusskriterium, sondern ein Modell für den Umgang mit Euch selbst und miteinander, so wie ich, Gott, meine Schöpfung und Euch, meine Kinder kraft meiner Liebe ins Leben rufe und erhalte und umfange im Leben und im Sterben.“

So rufen wir in dieser Heiligen Nacht den Friede auf Erden aus, an dem sich die Ehre Gottes in der Höhe entscheidet und das Wohl und die Würde der Menschen auf Erden. Wir rufen den Frieden auf Erden von höchster Stelle aus zusammen mit den Engeln des Himmels, die für uns in den Weihnachtslichtern leuchten, die wir in dieser heiligen Nacht rund um den Globus entzünden, und in den Augen aller Kinder, wenn sie in dieser Nacht Staunen und Freude und Geschenke schenken und empfangen und auspacken. Aber wir rufen den Frieden auf Erden nicht nur aus, sondern wir singen ihn zusammen mit den Engeln, weil Gesang und Musik Menschen und Himmel und Erde viel mehr verbindet als jedes einfach gesprochene Wort. Die Choräle dieser Nacht sind Friedenslieder, die unsere Herzen und die ganze Welt erzittern lassen. Mit dem Atem unseres Gesangs teilen wir den Atem, die Gebete und Lieder um den Frieden aller Menschen, die vor uns waren, aller Menschen, die mit uns sind, und aller Menschen, die nach uns kommen: unsere Kinder, Enkel, Urenkel Ururenkel und alle weiteren, die erst noch darauf warten, auf diesen wunderschönen Planeten geboren zu werden.

Wir rufen in dieser Nacht den Frieden auf Erden aus und verkünden: wer diesem Frieden nicht glaubt, ist auf dem Holzweg; denn unsere Friedensbotschaft ist dreifach von höchster Stelle abgesegnet: von den Engeln im Himmel; vom Kind in der Krippe; und vom Propheten Jesaja, der das Krieggeschrei der Völker und das Säbelgerassel der Mächtigen mit prophetischer Poesie hinwegfegt mit einer Melodie, welche Maria bezauberte, so dass sie alle diese Worte behielt und in ihrem Herzen bewegte, einer Melodie, welche die Hirten sangen, als sie umkehrten und Gott aus vollem Halse priesen und mit Gesang lobten für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Wer aber sind die Hirten? Wir sind die Hirten, die großen und Kleinen, die heute hier zusammenkommen zur Geburt des Kindes, das in der der Krippe liegt in Windeln gewickelt. Darum lasst uns den Sprung wagen und singen wie sie und den Frieden verkünden wie sie: von höchster Stelle aus der Mitte unserer Herzen, um der Kinder willen und auch um unserer selbst willen; auf dass wir Gott und seinem Frieden im Himmel und auf Erden mehr fürchten und glauben und gehorchen und als dem Lärm der Welt und den Menschen und auch uns selbst.

Und das ist das Lied des Jesaja, der Maria, der Hirten - unser Lied in dieser Nacht: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. 3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 5 Denn uns ist heute ein Kind geboren!“

So soll es sein! Frohe Weihnachten und Friede sei mit Euch - Amen.