„Baustelle Denkmal: Liebe oder Last?!“

Dieses Motto der Wanderausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz klingt wie gemacht für unsere Hauptkirche St. Katharinen.

Foto: DSD/R.Rossner

Foto: DSD/R.Rossner

 

Die Gemeinde kennt beides: Den Denkmalschutz als Schatz und als Last, weil sie, wie sonst kaum ein Ort in Hamburg eingespannt ist in das gegenüber von Tradition und Transformation. Nicht umsonst haben diejenigen, die St. Katharinen nach der Zerstörung im Hamburger Feuersturm der Bombardements von 1943 neu errichtet haben, das Wort aus Hebräer 13,14 über das Portal im Turm geschrieben: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, die kommende suchen wir“ (Hebräer 13,14). Das entspricht dem Prinzip, welchem der Wiederaufbau folgte: keine Rekonstruktion, sondern Weiterbauen.

 

Der gotische Turm und die gotische Struktur des Innenraums blieben erhalten. Aber die barocke Überbauung des Innenraums aus den letzten Jahrhunderten vor der Zerstörung kehrte nicht zurück, sondern wich zeitgenössischer Innenausstattung. Auch der in Teilen beschädigte neogotische Anbau wurde abgetragen und von einem Funktionsbau für das neue Kirchenamt der Hamburgischen Kirche ersetzt, das an St. Katharinen angegliedert wurde, um der Gemeinde eine sinnvolle Funktion zu geben. Denn die Ortsgemeinde war längst verschwunden, erst durch den Abriss des Wandrahmquartiers beim Bau der Speicherstadt noch im 19. Jahrhundert und endgültig durch Büro- und Straßenbau im Zuge des Neuaufbruchs Hamburgs in das Zeitalter der autogerechten Stadt.

 

Heute wendet sich das Bild erneut. Wo einst Grenzzäune den Zollfreihafen im Stadtgebiet südlich von St. Katharinen abschirmten, wächst heute in der HafenCity ein Stadtteil mit Kitas, Schulen, Universitäten, über 4500 Bewohnerinnen und Bewohnern, Museen, Theatern, Gastronomie, Parks einem Museumshafen und mehr. Das Parkhaus neben St. Katharinen will die Genossenschaft Gröninger Hof eG innerhalb der nächsten Jahre zum Wohnhaus umbauen, und auch sonst sind im Katharinenviertel in den letzten Jahren etliche Wohnhäuser an Stelle von Bürogebäude entstanden. Mitten drin vernetzt sich die Gemeinde mit der Nachbarschaft und engagiert sich dafür, dass um St. Katharinen das Quartier zurückkehrt, für das die Kirche einst Keimzelle war, das aber im Zuge von Industrialisierung, Krieg und der Stadtentwicklung nach den Maßgaben der „autogerechten Stadt“ Stück für Stück zerfiel und verschwand. All diese Transformationen der Stadt machen nicht Halt vor den Toren der Kirche, sondern fordert sie heraus: was kann und soll bleiben, was ruft nach Veränderung.

 

So ist die „Baustelle Denkmal St. Katharinen“ selbst Bühne des Schauspiels von „Liebe und Last“. Der Liebe zum Bestand und zum Weiterbauen ebenso wie die Last der Finanzierung von Sanierung und Erhalt mitsamt der Debatten darüber, was unverändert bleiben muss oder was angesichts der drängenden sozialen, kulturellen, geistlichen und ökologischen Aufgaben unserer Gegenwart und Zukunft nur in Veränderung bleiben kann. In diesem Sinne: Dank an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für die Ausstellung, die zum Anfassen, Erleben und Debattieren einlädt, und herzlich willkommen in St. Katharinen - Ausstellungshaus und Realexperiment zugleich für die „Baustelle Denkmal: Liebe oder Last?! - Aber die Liebe bleibt die Größte!“ (1. Korinther 13,13)

 

Frank Engelbrecht

 


Führung durch die Ausstellung „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“

Erleben Sie unsere Ausstellung in einer interaktiven und kurzweiligen Führung! In der Führung gehen wir den Themen Denkmalschutz und -pflege auf den Grund. Hier erfahren Sie mehr über die Voraussetzungen, wie ein Denkmal überhaupt ein Denkmal werden kann und was Denkmale so besonders macht. Und Sie werden erstaunt sein, wie viele Missverständnisse und Irrtümer sich hartnäckig rund um das Thema Denkmalschutz halten.


Die Teilnahme an der Führung ist wie der Besuch der Ausstellung kostenfrei! Die Teilnehmerzahl für die Führungen ist auf 7 Personen begrenzt.

 

Bitte melden Sie sich zwingend vorab an bei der Kirche St. Katharinen E-Mail:  

dudda@katharinen-hamburg.de

Tel.: 040 303747-30

 

Daten für Führungen:
Mittwoch, 19.1. um 13.30 Uhr 
Samstag, 22.1. um 11.00 Uhr     
Mittwoch, 26.1. um 13.30 Uhr
Freitag,  4.2. um 13.00 Uhr
Mittwoch, 9.2. um 13.30 Uhr
Freitag, 18.2. um 15.30 Uhr 
Dienstag, 22.2. um 15.00 Uhr        
Freitag, 25.2. um 15.30 Uhr 

 

Hinweis zu unseren Corona-Regeln:

  • Für die Teilnahme an unseren Führungen gilt die sogenannte 2G+ Regel, das heißt Zutritt haben Sie nur dann, wenn Sie geimpft oder genesen sind und zusätzlich einen negativen Corona-Test (tagaktuell) vorweisen können, Geboosterte haben Zutritt ohne tagesaktuellen Test
  • Das Tragen von medizinischen Masken ist Pflicht
  • Die Abstandsregeln sind zu beachten
  • Die Wanderausstellung verfügt über diverse Desinfektionsspender
  • Die Touchscreens sind durch antivirale Folien und antiviralen Lack geschützt

 

Sonstiges:
Die Ausstellung

  • ist für Rollstuhlfahrer geeignet.
  • ist zweisprachig, deutsch/englisch.
  • richtet sich auch an Kinder und Familien.
  • ist genauso wie der Besuch der Kirche kostenfrei.

 

Für den Besuch der Ausstellung ohne Führung gilt die 2G+-Regel und Maskenpflicht!

 


Link: "Baustelle Denkmal" – Deutsche Stiftung Denkmalschutz

 

 

 

 

Die Hauptkirche St. Katharinen ist ein Ort der Ruhe inmitten einer lauten Stadt.
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