Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann

Von: | 31.03.2020

Liebe Gemeinde,

liebe Freundinnen und Freunde von St. Katharinen!

Herzlich willkommen auf unserer Homepage - für uns ein wichtiges Medium, um mit Ihnen in Kontakt zu bleiben. Wir mussten in den vergangenen Wochen alle Gottesdienste, Andachten, Konzerte, Veranstaltungen und Treffen wegen der Corona-Krise absagen, und im Moment weiß niemand, wann sich die Situation wieder entspannen wird. Wir müssen auf persönliche Begegnungen und Berührungen, auf Nähe und Zärtlichkeit, auf gemeinsame Feiern und festliche Einladungen verzichten. Stattdessen gilt Abstand halten, auf Distanz gehen, Zuhause bleiben, Homeschooling und Homeoffice. Viele dürfen oder können gar nicht mehr arbeiten, viele stehen vor dem Ruin!

So habe ich mir die Fastenzeit nicht vorgestellt! So eine ver-rückte Zeit haben wir alle noch nicht erlebt. Diese Krise verlangt uns vieles ab: Verzicht, Geduld, Disziplin, Demut. Sie löst auch vieles aus: Glockengeläut zum Gedenken, Telefonieren und Briefe schreiben. Menschen nehmen Rücksicht, Jüngere kaufen für Ältere ein, die Familie rückt zusammen. Von Balkonen und Fenstern klatschen wir Pflegern, Schwestern, Ärztinnen, Verkäuferinnen und Lieferanten, singen, musizieren oder treiben Fitness, allein und doch gemeinsam.

Das sind tröstliche Erfahrungen in einer kritischen Zeit. Aber die Nachrichten erdrücken, die steigenden Zahlen von Erkrankten und Insolvenzen erschrecken. Menschen fragen: Was soll das bedeuten? Was will uns Gott damit sagen? Schickt er uns einen tödlichen Virus, um uns zu strafen oder zu belehren? Nein! Das glaube ich nicht! Das sind Auffassungen aus lang vergangenen Zeiten. Gott will ja nicht den Tod, sondern das Leben. Er wirkt nicht durch Bestrafung, sondern durch Vergebung. Er will uns nicht leiden sehen, sondern lieben. Gerade in der Passionszeit wird uns dieses bewusst: Jesus hat gelitten und ist gestorben, um alles Tödliche und den Tod zu überwinden. Für uns. Und jetzt mit uns.

Aber auch mit diesem Glauben bleibt die Angst vor dem Ungewissen, vor dem Verlust unseres Jobs, vor Ansteckung oder schlicht davor, noch viele Wochen allein in der Wohnung ausharren zu müssen. Manchmal lässt diese Angst sich besser aushalten, wenn man mit anderen darüber spricht, wenn man sie teilt. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Wir hören zu und stehen Ihnen zur Seite, mit Worten, Gebeten oder mit einem Segen. Mir hilft in solchen Momenten jenes wunderbare Wort aus dem 2. Brief des Paulus an Timotheus:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2. Tim 1,7).

Bleiben Sie behütet und gesegnet!

Ihre Ulrike Murmann