„Klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit“: Tanz (in) den Mai

Grußwort von Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann zum Mai
Von: Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann | 11.05.2021

Liebe Gemeinde,

liebe Freundinnen und Freunde von St. Katharinen,

nun ist es schon Mai geworden. Draußen grünt und blüht es und wir hoffen auch hier in Hamburg auf ein paar richtig frühlingshafte Tage. Der „Tanz in den Mai“ kann in gewohnter Form nicht stattfinden, aber ich finde, wir sollten keineswegs darauf verzichten, diese besonders stärkende Form der Bewegung im Mai umzusetzen.

Ein Mitglied unserer Gemeinde in seinen besten Jahren berichtet mir neulich von seinen digital durch einen Lehrer begleiteten Tanzstunden im heimischen Wohnzimmer. Und er konnte auch bezeugen, dass nicht nur seine Stimmung, sondern auch sein Gedächtnis durch das Tanzen wieder besser geworden sei.

Und vor nicht allzu langer Zeit brachte der Hit „Jerusalma“ der südafrikanischen Sängerin Nomcebo Zikode und des DJs „Master KG“ weltweit Menschen zum Tanzen, mit Maske und Abstand und doch in Gemeinschaft.

Auch die Bibel zeugt davon, dass Tanzen zum Leben dazugehört:

Als sein verloren geglaubter Sohn zurückkehrt, lässt der Vater in der gleichnamigen Geschichte voller Freude einen Ziegenbock schlachten und ein Fest ausrichten. Nichtsahnend kommt der zweite Sohn von der Feldarbeit zurück und „als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen.“ (Lukas 15)

David, einer der mächtigsten Könige Israels, springt und tanzt vor Freude und Demut, nachdem er die Bundeslade, den wichtigsten Kultgegenstand Israels, die die Gegenwart Gottes symbolisiert, nach Jerusalem geholt hat. (2. Sam 6).

Und in dem wohl bekanntesten Buch der Bibel, beim Prediger Salomo im 3. Kapitel, heißt es „Klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“

Dieses biblische Wort kann uns durch den Mai begleiten – und es ist kein Zufall, dass Klage und Tanz so nebeneinander genannt werden. Es gibt, nach wie vor, leider viele Gründe, zu klagen: um die Verstorbenen, die Kranken, um die Menschen, die erschöpft ihr Bestes geben, um ihren Dienst für uns als Gesellschaft zu tun. Um zerstörte Existenzen und zerplatzte Träume. Aber es gibt daneben eben auch viele Gründe, sich am Leben zu freuen und im Tanz Gott zu danken, dass er uns Menschen und das Leben liebt. Allein oder zu zweit, langsam oder schnell, und so ungelenk oder elegant, wie wir es eben können. Gott wird sich daran erfreuen, wenn das Leben durch unsere Körper und Seelen fließt.

Ihre Ulrike Murmann

Hauptpastorin und Pröpstin