Universitätskirche

St. Katharinen ist traditionell die Kirche der Universität Hamburg. Die im laufenden Semester 14-tägig stattfindenden Universitätsgottesdienste haben ihren festen Platz in der Gemeinde und die Universitätspredigerin Prof. Dr. Kristin Merle ist beratend im Kirchengemeinderat tätig. Auch die digitalen Gesprächs- und Andachtsreihen, die von Studierenden des evangelisch-theologischen Fachbereichs konzipiert werden, finden Sie seit dem Frühjahr 2020 auf unserer Homepage.


Außerdem besteht eine langjährige, intensive Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater. An der Katharinen-Orgel üben und konzertieren Studierende der HfMT. Auch mit den anderen Universitäten der Stadt, z.B. der HafenCity Universität (HCU) pflegen wir einen guten Kontakt und veranstalten Workshops und Begegnungen zu Themen wie Stadtentwicklung und nachhaltige Innovationen.


St. Katharinen versteht sich als liberale, weltoffene Gemeinde und öffnet ihren Raum für Begegnung und Diskurs, z.B. im Rahmen von Diskussionsabenden über den christlichen Glauben und aktuelle gesellschaftliche Themen mit Vertreter*innen aus Kultur, Politik und Religion.

 

Predigten von Prof. Dr. Kristin Merle finden Sie hier.

 

 

Unsere nächsten Universitätsgottesdienste

"Wie wollen wir leben?" – die digitale Reihe


Nachruf Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Cornehl

(11.11.1936–15.5.2022)

 


Am 15. Mai 2022 ist Peter Cornehl im Alter von 85 Jahren in Hamburg verstorben. Peter Cornehl war ein hochgeschätzter Praktischer Theologe. Der Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Hamburg trauert um ihn, der sich im Zusammenhang seiner Professur nahezu 25 Jahre mit großem Einsatz für die Evangelische Theologie engagierte und auch nach seiner Emeritierung bis zuletzt am Leben des Fachbereichs wie an den Entwicklungen der theologischen Disziplin überhaupt teilnahm.


Am 11. November 1936 in Magdeburg geboren, wurde Peter Cornehl nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen, Heidelberg, Wuppertal und Hamburg mit der von Wolfhart Pannenberg betreuten, systematisch-theologischen Dissertationsschrift Die Gegenwart des Absoluten und die Zukunft des Eschatons. Untersuchungen zur Eschatologie in der deutschen Aufklärung, bei Hegel und in der Hegelschen Schule 1966 in Mainz promoviert. 1971 erfolgte die Habilitation in Hamburg, wo Peter Cornehl mittlerweile wissenschaftlich tätig war. 1976 erhielt er den Ruf auf die Professur für Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Homiletik und Liturgik in Hamburg, hier wirkte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000. Peter Cornehl war Universitätsprediger an der Haupt- und Universitätskirche St. Katharinen.


Geprägt von der Berneuchener Bewegung, war der Gottesdienst Peter Cornehls große Leidenschaft. Er bezeichnete ihn als „ein Geschehen voller Schönheit und Dramatik“, das er in vielfältigen Reflexionsgängen auf seine Konstitutionsbedingungen und Horizonte hin zu befragen verstand; seine tiefenscharfen Studien, die nicht nur in liturgisch-homiletischen, sondern auch in kirchentheoretischen Diskurskontexten entstanden, können als exemplarisch für praktisch-theologisches Arbeiten generell gelten. Sein wissenschaftliches Denken beförderte Entdeckungszusammenhänge: etwa mit Blick auf den engen Konnex von Predigt und Liturgie, Homiletik und Liturgik, aber auch hinsichtlich der für die liturgiewissen-schaftliche Reflexion wichtigen Fruchtbarmachung des Schleiermacher’schen Verständnisses des Gottesdienstes als darstellendes Handeln, wie sie Peter Cornehl schon 1974 in seinem viel beachteten Beitrag Gottesdienst (Studienwerk Praktische Theologie heute) vornahm.


Peter Cornehl, dem zeit seines Wirkens an einer konziliaren Perspektive und also an der dialogischen Verständigung der Verschiedenen gelegen war, entzog sich theologischem Schubladendenken. Sich selbst als liberaler Theologe verstehend, vielfältig an kulturellen Phänomenen interessiert, die ihm als ‚Anwalt‘ des Zeitgenössischen unverzichtbarer Gegenstand des Theologietreibens waren, entließ er eben jene Theologie nicht aus ihrem Bezug zu ihren Traditionen. Dieser Bezug war ihm unverzichtbar nicht nur als Rekurs auf Vergangenes zum Verstehen des Gewordenseins des Gegenwärtigen, sondern als Aufgabe eines Füreinander-durchsichtig-Machens von Tradition und Situation, Biografie und Kerygma. Sein kairologisches Gespür ließ Peter Cornehl in vielfältigen Zusammenhängen wirken, die er in ihrer Unterschiedlichkeit aufeinander zu beziehen wusste: beim Deutschen Evangelischen Kirchentag wie im Rahmen der Initiative zur Gründung des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der VELKD bei der Theologischen Fakultät Leipzig – 2009 erhielt Peter Cornehl die Ehrendoktorwürde von der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig –, in der Begleitung des Prozesses der Gründung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland wie im Wissenschaftlichen Beirat der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen (II. bis IV.) der EKD. Peter Cornehl war lange Zeit tätig als Mitherausgeber der Zeitschrift Pastoraltheologie wie der Reihen Arbeiten zur Pastoraltheologie und Praktische Theologie heute.


Vision und Gedächtnis – dieses Begriffsensemble hat Peter Cornehl der Praktischen Theologie in ihr Stammbuch geschrieben. Arbeit am kollektiven Gedächtnis und Erneuerung der Hoffnung bezeichnen nicht nur Ziel und Aufgabe des Gottesdienstes. Die Reflexion der Konstitutionsbedingungen beider existenziell bedeutsamer Lebensvollzüge eröffnet die Perspektive auf den Nexus von Letztem und Vorletztem, Eschatologie und Alltag. Die Treue zum konkreten Leben, das Peter Cornehl immer bewegt hat, wie das Bewusstsein für den das öffentliche Handeln der Kirche einfordernden historisch konstituierten Verantwortungs-zusammenhang, drängen zur Wahrnehmung der Verflechtung von persönlichen und politischen Themen, zum Engagement für das Gemeinwesen, zur „Artikulation des politischen Kyrie“.
Peter Cornehl wird uns fehlen. Seine Schriften bleiben Gedächtnis und Vision.

 


Prof. Dr. Kristin Merle
Institut für Praktische Theologie

 

Prof. Dr. Christoph Seibert

Sprecher des Fachbereichs

 

 

Download Nachruf (PDF)

 

 

Die Hauptkirche St. Katharinen ist ein Ort der Ruhe inmitten einer lauten Stadt.
Besucherinformationen