Gruppenausstellung „Clear River, Calm Sea“

21. November 2022 bis 11. Dezember 2022

©Li Binyuan, Blocking, Video Still, Single-channel Video of a Performance , 15′59″, 2019-2021

Eröffnung der Gruppenausstellung am 21. November 2022, um 19 Uhr im Anschluss an den deutsch-chinesischen Gottesdienst. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 11. Dezember, täglich von 11–17Uhr.

 

Die Gruppenausstellung 河清海晏(heqing haiyan), kuratiert von Bettina Freimann, präsentiert zehn künstlerische Positionen aus China und Hamburg, die das Verhältnis von Mensch und Natur vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise im Zeitalter des Anthropozäns untersuchen.

 

In Videoarbeiten, Performances, Skulpturen, Gemälden und Fotografie entwickeln Li Binyuan ( Yongzhou | Beijing), Ma Haijiao ( Hebei | Beijing ), Tong Wenmin ( Chongqing | Chongqing), Xin Liu ( Xinjiang | Beijing), Yao Qingmei (Zhejiang Wenzhou/Paris), Yi Dai ( Changha | London), Jessica Broscheit (Hamburg), Corrina Goutos (Hamburg), Swaantje Güntzel ( Soerst | Hamburg), und Robin Hinsch ( Hamburg) ein poetisches Narrativ, aus dessen Perspektive die ökologische Integrität für den Menschen zur Aufgabe wird.


Durch die Auswahl von Positionen aus China und Hamburg wird ein küstlerischer Dialog geschaffen, der symbolisch für die globale Tragweite des Themas steht. Clear River, Calm Sea beschreibt eine Utopie, in der die Kräfte der Natur wieder im Einklang sind. Denn laut der chinesischen Redewendung kann nur "Frieden im Universum herrschen", wenn die "Flüsse klar und die Meere ruhig" sind.


Gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien.

 

www.clearrivercalmsea.com

 

Die Auswirkungen der globalen Klimakrise auf das interdependente Ökosystem sind heute offensichtlicher denn je – Dürre, Hitze, Überschwemmungen und Erdbeben sind harte Realitäten, mit denen wir zunehmend konfrontiert werden. In allen Teilen dieser Erde stellt sich ein von Menschenhand gezeichnetes Ungleichgewicht ein. Dabei ist der Zusammenhang zwischen den eigenen Konsumentscheidungen, ökonomisch-orientierter Interessen, politischer Gesetzgebung und den daraus entstehenden Folgen für die Umwelt für viele obskur. Die zeitliche Verschiebung zwischen Ursache und Wirkung führt zu der Annahme, dass das Verhalten des Einzelnen mit der Zukunft des Planeten nichts zu tun haben kann. Gleichzeitig hat sich seit dem Beginn der Industrialisierung das Verhältnis der Menschen zur Natur fundamental geändert, und ihre Bedeutung als Ursprung des Lebens verlor an Wert. Im Westen wie in China wich ein ehrfurchtsvoll-bewundernder Blick auf die Landschaft einer ausbeuterischen Sichtweise auf die Natur als Ressourcenlieferant. Der Mensch hat den Zugang zur Natur verloren.

 

Termine:

 

Montag, 21. November 2022 um 19 Uhr
Eröffnung - Vernissage

 

Freitag, 25. November 2022 um 19 Uhr
Panel Talk “Kunst und nachhaltige Stadtentwicklung”
mit Teng Yuning (Visual Art Center Beijing), Ellen Blumenstein (Imagine The City), Frank Engelbrecht (Hauptkirche St. Katharinen), Lars Zimmermann (Cities For Future)

 

Montag, 28. November 2022 um 19.30 Uhr
Breath in & out! Atmen
Sound-Bewegungsmeditation mit Franzi Künne (flying carpet) und musikalischer Untermalung von TISKO (Live)

 

Dienstag, 29. November 2022 um 19.30 Uhr
Book Launch: Robin Hinsch Wahala
Robin Hinsch stellt seine Publikation Wahala vor.

 

11. Dezember 2022 ab 12:30 Uhr
Closing: Clear River, Calm Sea 河清海晏
11:00 - 12:00 Uhr Gottesdienst
12:30 - 13:30 Uhr: Teezeremonie mit Julia Nordholz
13:30 - 14:30 Uhr: Kuratorinnenführung mit Bettina Freimann

 

Pressekontakt: Evelyn Nossol | evelyn.nossol@gmail.com
Team
Kuratiert von Bettina Freimann
Produktion Frank Breker
Assistenz Evelyn Nossol

 

Teilnehmende Künstler*innen:
In seinen radikalen und mutigen Performances gibt sich der chinesische Künstler Li Binyuan häufig dem Wasser hin, dem Element der Heilung, der Unkontrollierbarkeit, von Transformation und Reflektion und Symbol für den ungleichen Kampf zwischen Mensch und Natur. In den Videos Drawing Board (2017) und Blocking (2019-2021) setzt er seinen eigenen Körper ein, um sich der Urgewalt des Wassers entgegenzusetzen – in einer Stromschnelle und in einem Wasserfall. Li Binyuans Arbeiten wurden international ausgestellt, u. a. im MoMa PS 1, New York, im Pingshan Art Museum, Shenzhen, China und im CFCCA, Manchester.


Auch die chinesische Performancekünstlerin Tong Wenmin gibt ihren bloßen Körper den Naturgewalten preis, und versucht dadurch eine neue Verbindung zur Natur und ihren Elementen zu schaffen. In Wave (2019) und in Dizzy (2017) gibt sie sich den Kräften des Wassers hin, in Reflections-Pine Trees (2017) einem der letzten unberührten Waldstücke Chinas, und in Invisible Moment (2022) der pittoresken Schönheit des Himmels.


Ma Haijiao widmet sich in der Doppelkanalinstallation If We Delete Green, If We Start Caring About Plants (2019-2020) den Themen “Grün” und “Pflanzen“, um ineinander verwobene Vorstellungen und Narrative zu entfalten. Die beiden Videos wurden in seinem Studio und in einem tropischen Dschungel gedreht und stellen eine intertextuelle Beziehung dar. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen präsentiert.


Die beiden Videoarbeiten Monitor & Control (2021) und Landscape & Spectacle
der chinesischen Performance- und Videokünstlerin Yao Qingmei legen auf humoristische Art und Weise die Absurdität des Alltagslebens in einem künstlich-erzeugten natürlichen Umfeld offen, in dem CCTV-Kameras vor Überwucherung und Menschen vor der Natur geschützt werden müssen.


Die Künstlerin, Wissenschaftlerin und Ingenieurin Xin Liu mischt wissenschaftliche Forschung mit persönlichen Erzählungen und schafft transformative, partizipative Erfahrungen und körperliche Objekte, um die Konstitution von Subjektivität und Affekten zu untersuchen. Die auf Live-Sounds basierende Performance Living Sounds präsentiert die Geräuschkulisse eines Feuchtgebietes in Plymouth, Massachusetts (USA), das nach der industriellen Bewirtschaftung als Süßwasser-Küstenfeuchtgebiet zur Renaturierung angelegt wurde. Xin ist Trägerin zahlreicher Preise, u. a. von 30 under 30 Asia, X Museum Triennial Award, Van Lier Fellowship vom Museum of Arts and Design, Sundance New Frontier Story   Lab und Europe ARTificial Intelligence Lab Residency mit Ars Electronica.


Die Hamburger Künstlerin Jessica Broscheit arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst, kritischem Design und Technologie. In ihren aktuellen Arbeiten schafft sie multisensorische Erfahrungen, um das Beziehungsgeflecht von Umwelt, Mensch und nichtmenschlichen Wesen zu erforschen. In ihrem interaktiven Artefakt IVORY (2018) wendet sie das Konzept von Indikator-Tieren in Materialität und Funktionalität an, um eine kritische Position zur Wechselbeziehung zwischen Mensch und dem Zustand der Luft zu schaffen. Als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin des Creative Space for Technological Innovations der HAW Hamburg widmet sie sich der Bewusstseinsbildung von anthropogenen Einflüssen durch interaktive Artefakte und partizipativen Interventionen.


Die feinen Aquarelle der Künstlerin Yi Dai zeigen die täglich variierenden Stadien der Tide von tiefliegenden Atollen, die vom Meeresspiegelanstieg bedroht sind. Jedes pixelkleine Bild repräsentiert einen bestimmten Tag und offenbart die natürlich bedingten Abweichungen.

 

Die Arbeiten von Swaantje Güntzel thematisieren die entfremdete Beziehung zwischen Mensch und Natur. Sie entlarvt die Widersprüchlichkeit unseres Handelns, die Heuchelei unseres Wertesystems und macht auf die gedankenlose Ausbeutung der Umwelt in der industrialisierten Weltwirtschaft aufmerksam. In ihrer neuen Werkserie verarbeitet sie das Wasser eines Grönlandgletschers und lässt zarte Aquarelle entstehen, die die Fragilität und Schönheit von Gletschern ausdrücken.


Corrina Goutos ist eine Künstlerin, die mit Schmuck, Objekten und Installationen arbeitet. Sie prägte den Begriff Anthrosmithing, um ihre neo-materielle Praxis zu beschreiben. Ihre futuristischen Artefakte, geschaffen durch Re-Konstruktion und Veredelung von Post-Consumer-Goods, erzählen die Geschichte der Menschheit – von den Erfolgen und Abgründen. Unter der Berücksichtigung der politischen Ökologie menschlicher und nicht-menschlicher Materialien, versucht Goutos in ihrer Praxis die Hierarchie zwischen Mensch und Material aufzubrechen.


Über Bettina Freimann
Bettina Freimann ist freie Kuratorin und Sinologin, die in Hamburg lebt und arbeitet. Sie studierte in Leipzig, Tübingen, Beijing (China) und Taibei (Taiwan) und befasste sich als Pilot-Studentin des Master Programms Chinese Studies an der Universität Hamburg mit dem typografischen Werk des zeitgenössischen Künstlers Xu Bing. Als Co-Kuratorin des unabhängigen Artspace Âme Nue realisierte sie seit 2016 zahlreiche Ausstellungen Hamburger und internationaler Künstler*innen, u. a. Lu Yang, Electromagnetic Brainology, 2018; Roman Moriceau, Our exquisite replica of “eternity”, 2019; Felipe Lippe, Cartographies de L’inconnu, 2019; Robin Hinsch, SAPAD, 2019; Moshtari Hilal, 2019. Als Freie Kuratorin realisierte sie im Jahr 2022 die Einzelausstellung Traces of Fragility von Claudius Schulze im Rahmen der 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022, Parisa Azadi’s Ordinary Grief in Kollaboration mit der Galerie Melike Bilir und war Teil des kuratorischen Team des ClimateArtFests.


Über Hippocampus
Hippocampus Kulturprojekte UG wurde von der Galerie Oel-Früh initiiert, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Hamburger Stadtteils Rothenburgsort bereits seit Dezember 2005 besteht. Ziel ist es seither kontinuierlich Ausstellungen zu ermöglichen, Künstler*innen zu fördern und die unabhängige Hamburger Szene lebendig und vernetzt zu halten – auch über die Stadtgrenzen hinaus. Um diese freie Szene einem breiteren Publikum zugänglich zu machen initiierte das Team der Galerie Oel-Früh 2021 erstmals das HIPPOCAMPUS KUNSTFESTIVAL. Benannt nach dem Hippocampus: Zentraler Teil unseres Gehirns, der in seiner Form dem Seepferdchen gleicht. Als Sinnbild für die Schnittstelle im menschlichen Miteinander wie in der Entwicklung des städtischen Raums. Als Zentrale für Impulse und lebenslanges Lernen. Das namensgebende Haus Seepferdchen, eine 70 Jahre alte DDR Datscha, fungiert seit 2014 als mobiles Ausstellungsdisplay und wird regelmäßig an verschiedenen Orten als Schaltzentrale der HIPPOCAMPUS KULTURPROJEKTE UG genutzt.


CHINA TIME 2022 - www.chinatime.hamburg.de
Die CHINA TIME findet vom 23. bis 27. November 2022 in Hamburg mit dem Fokusthema globaler Klimawandel statt. Die Veranstaltung bietet eine Austauschplattform für den fachlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Dialog mit China. Die diesjährige CHINA TIME besteht aus drei Veranstaltungsteilen: Das CHINA TIME SYMPOSIUM „Discussing EU-China climate cooperation“ im Rathaus, die CHINA TIME KULTUR mit vielen kulturellen Highlights verteilt in der Stadt sowie das CHINA WEEKEND mit den Schwerpunkten Bildungsaustausch und Klimawandel im chinesischen Teehaus Yu Garden in Rotherbaum. Die Veranstaltungsreihe CHINA TIME Hamburg ist eine Initiative des Hamburger Senats, mit der die Hansestadt seit 2006 sich als herausragender China- Kompetenz-Standort alle zwei Jahre einem breiten Publikum präsentiert. Die CHINA TIME Hamburg wird 2022 erstmals mit einem neuen Konzept realisiert: Die Veranstaltung ist kompakter im Format und deutlich auf den inhaltlichen Schwerpunkt ausgerichtet. Zahlreiche regionale und überregionale Institutionen, Stiftungen, Initiativen, Vereine und Verbände beteiligen sich und tragen zum Gelingen der Veranstaltung bei. Partner der diesjährigen CHINA TIME sind unter der Leitung der Senatskanzlei unter anderen die Behörde für Kultur und Medien, die Handelskammer Hamburg, die Körber Stiftung, die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung sowie das GIGA Institut.

 

 

Die Hauptkirche St. Katharinen ist ein Ort der Ruhe inmitten einer lauten Stadt.
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